Kerbs
Kerbs sind die farbigen Randsteine der Rennstrecke, die an jedem Kurvenrand verlaufen. Im Rennsport spricht man auch von Curbs oder Randsteinen. Wer sie richtig liest und nutzt, fährt schneller und schont das Fahrzeug. Wer sie falsch nimmt, riskiert Fahrwerksschäden oder einen unkontrollierten Moment.
Was sind Kerbs?
Kerbs markieren die Grenze zwischen dem Asphalt der Fahrlinie und dem Randbereich der Strecke. Sie bestehen in der Regel aus Beton oder robustem Kunststoff. Die typische Farbgebung: rot-weiß oder rot-weiß-gelb gestreift. Diese Farbgebung macht die Randsteine auf jedem Kurs sofort erkennbar.
Auf der Rennstrecke erfüllen Kerbs zwei Aufgaben. Sie zeigen dem Fahrer die exakte Streckengrenze. Und sie markieren den Apex einer Kurve, also den innersten Punkt der Ideallinie. Ohne Kerbs wäre es deutlich schwieriger, Kurven reproduzierbar zu fahren.
Im deutschen Sprachraum nennt man sie auch Randsteine. International setzen sich die englischen Begriffe Kerbs oder Curbs durch. Beide bezeichnen dasselbe Streckenelement.
Arten von Kerbs
Nicht alle Kerbs sind gleich. Die Unterschiede sind entscheidend für die richtige Fahrtechnik. Wer flache Kerbs mit Sausage Kerbs verwechselt, riskiert Fahrwerksschäden.
- Flache Kerbs: Niedrige Randsteine mit geringer Aufbauhöhe. Sie sind so gestaltet, dass Fahrzeuge sie vollständig überfahren können. Der Kontakt mit dem Reifen ist kontrollierbar. Flache Kerbs gehören zur nutzbaren Streckenbreite und sind ein fester Teil der Ideallinie.
- Sausage Kerbs: Erhöhte, halbzylindrische Randsteine. Der Name kommt vom runden Querschnitt, der an eine Wurst erinnert. Sie sollen Fahrer physisch davon abhalten, die Strecke zu verlassen oder Kurven abzukürzen. Ein Kontakt mit hoher Geschwindigkeit kann das Fahrzeug destabilisieren und teure Fahrwerksschäden verursachen.
- Rumble Strips: Strukturierte Streifen neben der Fahrlinie. Sie erzeugen Vibrationen und ein deutlich hörbares Geräusch im Cockpit. Sie warnen den Fahrer, sind aber keine physische Barriere im Sinne eines Sausage Kerbs.

Wann Kerbs überfahren, wann meiden?
Die Grundregel ist klar: Flache Kerbs nutzt du konsequent. Sausage Kerbs meidest du oder touchierst sie nur mit minimalem Überstand.
Im Detail zählen mehrere Faktoren für die richtige Entscheidung:
- Kurvengeschwindigkeit: Bei niedrigem Tempo sind Kerb-Kontakte weniger kritisch. Bei hohem Tempo kann jeder Versatz das Gleichgewicht des Fahrzeugs stören und zum Kontrollverlust führen.
- Kurventyp: In langsamen Ecken helfen flache Kerbs, die volle Streckenbreite zu nutzen und den Apex zu maximieren. In schnellen Kurven ist jede zusätzliche Destabilisierung gefährlich.
- Fahrzeugsetup: Sportlich abgestimmte Fahrwerke mit geringer Bodenfreiheit tolerieren weniger Kerb-Kontakt. Der Unterboden schlägt schneller auf, bevor das Fahrwerk überhaupt reagieren kann.
- Streckenkenntnis: Wer eine Strecke neu kennenlernt, fährt Kerbs zunächst vorsichtig an. Erst mit wachsender Sicherheit steigerst du den Überstand schrittweise.
Der Apex-Kerb am Scheitelpunkt einer Kurve ist meistens flach und vollständig befahrbar. Der Exit-Kerb auf der Kurvenausfahrt kann dagegen erhöht sein. Beide Punkte genau zu kennen, trennt Einsteiger von erfahrenen Fahrern.
Fahrwerksbelastung durch Kerbs
Sausage Kerbs sind auf Trackdays eine häufige Ursache für Fahrwerksschäden. Ein einziger harter Treffer kann Radlager, Querlenker und Stoßdämpfer beschädigen. Die Reparaturkosten übersteigen schnell den Wert eines ganzen Trackday-Weekends.
Der Grund liegt in der Physik des Kontakts. Ein Sausage Kerb erzeugt beim Überfahren einen schlagartigen, kurzen Impuls. Das Fahrwerk hat kaum Zeit zu reagieren. Die Energie wird direkt in die Aufhängungskomponenten geleitet, ohne dass Federn oder Dämpfer ausreichend abpuffern können.
Dazu kommt ein weiteres Risiko: kurzzeitiger Bodenhaftungsverlust. Das Rad hebt an, die Reifenkontaktfläche geht kurz auf null. In dieser Phase kann das Fahrzeug nicht gelenkt werden. Trifft dieser Moment mit einer Einlenkphase einer schnellen Kurve zusammen, ist das eine ernste Gefahr.

Kerbs auf der Nordschleife und am Hockenheimring
Jede Rennstrecke hat ihren eigenen Kerb-Charakter. Zwei Strecken, auf denen ESC-Teilnehmer regelmäßig unterwegs sind, stehen für zwei unterschiedliche Kerb-Philosophien.
Nordschleife: Die Nordschleife verbindet enge, langsame Kurven mit schnellen Passagen und wechselnden Untergrundverhältnissen. In mehreren Streckensektoren, besonders in langsamen und engen Abschnitten, setzen die Streckenverantwortlichen auf Sausage Kerbs. Wer die Nordschleife zum ersten Mal fährt, nimmt Kerbs zunächst konservativ. Die Streckenkenntnis über einzelne Randsteine wächst mit jeder Runde. Trackdays auf der Nordschleife mit ESC bieten begleitetes Fahren, bei dem Instruktoren genau dieses Wissen weitergeben.
Hockenheimring: Die GP-Strecke in Hockenheim setzt auf modernes, einheitliches Kerb-Design. Die meisten Randsteine sind flach, gut profiliert und vollständig befahrbar. Das breite, übersichtliche Streckenlayout erlaubt, den Umgang mit Kerbs gezielt zu üben und das Fahrgefühl schrittweise aufzubauen. Für Einsteiger ist Hockenheim deshalb eine ideale Lernumgebung. Beim Trackday am Hockenheimring mit ESC lernst du den korrekten Einsatz von Kerbs in einem sicheren Rahmen.
Kerbs und die Ideallinie
Kerbs und Ideallinie hängen direkt zusammen. Die optimale Fahrlinie nutzt die volle Streckenbreite: Einlenken von außen, Apex am innersten Punkt des Kerbs, Herausfahren wieder zur Außenseite. Der Kerb markiert diesen Scheitelpunkt exakt und sichtbar.
Wer Kerbs nicht liest, lenkt oft zu früh ein. Das Fahrzeug trifft den Apex zu früh, die Kurve wird enger als nötig, und die Beschleunigungsphase beginnt suboptimal. Das kostet auf jeder Runde Sekunden.
Das Lesen von Kerbs lernst du am schnellsten mit einem erfahrenen Instruktor neben dir. Beim ESC-Coaching auf der Rennstrecke arbeiten Coaches gezielt an Kurventechnik, Blickführung und dem bewussten Einsatz von Kerbs als Orientierungspunkte. Das ist der schnellste Weg vom ersten Trackday zur sicheren, schnellen Runde.








